Nonnen gibt es nicht nur im Fernsehen. Im Auerbacher Kloster erleben vier junge Frauen einen Alltag, der für viele unvorstellbar ist. Gebete, Arbeit im Schweigen, Reflexion – für sie ist es Normalität. Wieso wird man Nonne?
Aufstehen um 4.45 Uhr, Betrachtung in der Kirche um 5.15 Uhr, Heilige Messe um 6.10 Uhr, Frühstück im Schweigen, danach Spülen und Arbeit – wie Kirchenputz oder Gartenarbeit – bis 10.15 Uhr. Lesung, Unterweisung, Ordensausbildung, Mittagessen und Mittagsgebet.
Es ist ein Vormittag, den sich viele Leute nicht vorstellen können. Doch so sieht jeder Morgen für die vier jungen Novizinnen im Auerbacher Kloster aus. Novizinnen sind Frauen, die ihre Vorbereitungszeit im Kloster verbringen, bevor sie ihre Gelübde ablegen, um christliches Ordensmitglied zu werden.
In Auerbach sind das Schwester Cordis (30), Schwester Marie-Therese (38), Schwester Madita (28) und Schwester Vincenta (21). In Auerbach dauert das Noviziat zwei Jahre. Doch wieso entscheidet man sich als junge Frau dazu, das Leben als Ordensschwester zu führen? Wir haben sie gefragt.
Der Kontakt zur Außenwelt ist für die Novizinnen in Auerbach eingeschränkt. Ihr Handy haben die vier Frauen abgegeben. „Ich finde es eine Freiheit, nicht mehr dem Handy unterworfen zu sein, ich habe es noch nicht vermisst”, sagt Schwester Marie-Therese. Kein Handy bedeutet auch kein Instagram oder WhatsApp. „Ich bekomme gerne Briefe”, sagt Schwester Madita. Im ersten Halbjahr des Noviziats empfangen die vier im Kloster keine Besuche. „Der Fokus wird darauf gelegt, dass wir erstmal ankommen”, sagt Schwester Vincenta. Schwester Cordis ergänzt: „Und dass wir uns auf das Leben hier fokussieren.” Telefonieren mit der Familie ist aber erlaubt. Nach dem ersten Halbjahr der Ausbildung darf dann auch die Familie zu Besuch kommen.
Auf den ersten Blick, vielleicht auch noch auf den zweiten und dritten, wirkt das Ordensleben sehr streng. Doch die vier Novizinnen sind sich einig: „Es sieht eng aus, aber man kriegt eine innerliche Freiheit”, sagt Schwester Vincenta. „Ich muss mir keine Gedanken mehr machen, was für Kleidung ich anziehe: Ich habe ein Ordenskleid und das schaut immer gut aus“, sagt Schwester Marie-Therese. Auch Schwester Cordis bestätigt das: „Ich lief erst durch die Stadt, früher hätte ich mir was kaufen wollen. Jetzt nicht, das ist befreiend.” Und Schwester Madita: „Das Irdische ist eher ein Gefängnis. Jesus hat mir die wirkliche Freiheit gezeigt.“